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16.X.2008 - Kredit-Krise: Untersuchung der EBK zu den Ursachen der Wertberichtigungen der UBS AG

Zusammenfassung

Die EBK untersuchte die Ursachen für die hohen Wertberichtigungen der UBS auf Positionen, deren Risiken mit minderwertigen Hypotheken in den USA verbunden sind („subprime"-Hypotheken).

Sie stützte sich dabei auf eigene Untersuchungen der UBS, eigene Abklärungen und zahlreiche Gespräche mit Verantwortlichen der Bank. Die Untersuchung der EBK umfaßte grundsätzlich nur den Zeitraum vor August 2007.

Nicht Gegenstand der Untersuchung waren die Massnahmen der UBS zur Bewältigung der Krise ab diesem Zeitpunkt. Die Untersuchung der EBK bestätigt im Wesentlichen die Schlußfolgerungen der UBS.

Die UBS kannte bis Anfang August 2007 das Ausmaß und die Natur ihrer Risiken im US-Hypothekarkredit-Bereich und in angrenzenden Gebieten nicht und war daher außerstande, rechtzeitig geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Darin liegt eine bedeutende organisatorische Fehlleistung, welche in einem außergewöhnlichen Marktumfeld verheerende Folgen hatte.

Die fehlende Aufmerksamkeit für die mit dem Bilanzwachstum verbundenen versteckten Risiken und ein zu unkritisches Vertrauen in die bestehenden Mechanismen zur Risikoerfassung erscheinen im Rückblick als schwerwiegendes Versäumnis der Bank.

Zusammenfassend muß das System der Datenerhebung zur Erfassung der relevanten Risiken aus heutiger Sicht als unzulänglich beurteilt werden.

Es produzierte zwar eine Vielzahl von Informationen, war aber nicht geeignet, die zur Früherkennung der Gefahr wesentlichen Faktoren hervorzuheben.

Rückblickend beurteilt waren auch die von UBS verwendeten Streßszenarien viel zu optimistisch ausgelegt. Im Rückblick ist der Befund eindeutig: die Bank erfaßte, begrenzte und überwachte ihre US-Hypothekargeschäft-Risiken klar ungenügend.

In unterschiedlichem Ausmaß trifft diese Feststellung die Gesamtheit der Strategie-, Geschäfts- und Kontrollprozesse. Trotz der in ihrem konkreten Ausmaß und in der Geschwindigkeit von niemandem vorauszusehenden Krise bleibt die Bank aus Sicht der Aufsicht für die Mängel in der Risikoerfassung verantwortlich.

Die Bank hat einen umfangreichen und konkreten Maßnahmenplan zur Behebung der identifizierten Mängel erarbeitet, den sie umsetzt oder bereits umgesetzt hat.

Die EBK unterstützt diese Maßnahmen in Absprache mit anderen Aufsichtsbehörden und begleitet den Umsetzungsprozeß eng.

1. Untersuchung der EBK

Im Januar 2008 eröffnete die EBK eine Untersuchung zu den Ursachen der von UBS im Jahr 20071 vorgenommenen Wertberichtigungen auf verbrieften US-Forderungen, die zu einem großen Teil mit US-"Subprime"-Hypotheken unterlegt waren.

Dabei klärte die EBK insbesondere ab, ob und falls ja weshalb die Bank erst im August 2007 das Ausmaß ihrer Exposure im US-(Subprime)- Hypothekenmarkt erkannt hatte.

Die EBK untersuchte, ob die Bank die im Bankengesetz verankerten aufsichtsrechtlichen Pflichten verletzt hatte. Schließlich bezweckte die Untersuchung der EBK festzustellen, ob die von der Bank bereits umgesetzten oder eingeleiteten Maßnahmen zielführend und ausreichend sind und ob weitere Maßnahmen seitens der Aufsichtsbehörde nötig sind.

Die EBK hält das Ergebnis ihrer Untersuchung in einem ausführlichen Bericht an die UBS mit Datum vom 24. September 2008 fest. Dieser Bericht ist vertraulich.

Der hier vorliegende Kurzbericht faßt das Ergebnis der Untersuchungen der EBK für die Öffentlichkeit zusammen.

2. Berichte von der UBS an die EBK und an die Aktionäre

In einem ersten Schritt verlangte die EBK von der UBS, gestützt auf einen detaillierten Fragenkatalog der EBK eine eigene Untersuchung durchzuführen und darüber einen Bericht zu erstellen.

Die Bank reichte der EBK diesen Bericht am 4. April 2008 ein. Am 18. April 2008 veröffentlichte die Bank eine gekürzte Fassung dieses Berichts zu Handen ihrer Aktionäre

Im Juli 2008 stellte die UBS der EBK ihren Maßnahmenplan vor, den sie am 12. August 2008 in gedrängter Form auch ihren Aktionären zugänglich machte

3. Bestätigung des UBS-Berichts

Die Untersuchung der EBK bestätigt die von der UBS in ihrem Bericht vom 4. April 2008 angeführten Ursachen für die enormen Wertberichtigungen.

Die EBK kann nachvollziehen, daß die UBS auf eine Gewichtung der einzelnen Faktoren verzichtet hat. Die Untersuchung und der Bericht der UBS hatten nicht zum Ziel, die individuelle Verantwortung einzelner Funktionsträger für die Wertberichtigungen zu bestimmen.

Die Bank hat seit August 2007 eine Reihe von personellen Wechseln auf den obersten Führungsebenen vorgenommen, was die EBK begrüßt.

4. Bestätigung des Berichts der „Senior Supervisors Group“

Die Untersuchung der EBK bestätigt auch die Feststellungen zu möglichen Gründen der Wertberichtigungen, wie sie im gemeinsamen Bericht verschiedener Aufsichtsbehörden über im Investmentbänking tätige Banken („Senior Supervisors Group“) vom 6. März 2008 veröffentlicht wurden.

5. Bis zum Ausbruch der Krise unentdeckte wesentliche Risiken

Im Rahmen ihrer Untersuchung identifizierten sowohl die Bank wie auch die EBK einzelne Führungsentscheide auf Stufe Verwaltungsrat und Konzernleitung, die im Rückblick in die falsche Richtung führten.

Sie waren jedoch im Zeitpunkt, als sie getroffen wurden, vertretbar. Im Ergebnis ist festzuhalten, daß die UBS bis Anfang August 2007 das Ausmaß und die Natur ihrer Risiken im Subprime-Bereich und in angrenzenden Bereichen nicht erkannte und daher außerstande war, rechtzeitig geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Darin liegt eine bedeutende organisatorische Fehlleistung, welche in einem außergewöhnlichen Marktumfeld verheerende Folgen hatte.

6. Wertberichtigungen

Nicht nur UBS hat die von ihr eingegangenen Risiken falsch eingeschätzt. Gleiche Fehler unterliefen quer durch den Markt fast allen Aktören.

Auch die Aufsichtsbehörden haben die drohende Gefahr nicht rechtzeitig erkannt.

Im Jahr 2007 und im ersten Halbjahr 2008 hat die UBS (unter Einschluß von Dillon Read Capital Management [DRCM]) im Vergleich zu den meisten ihrer Konkurrenten wesentlich höhere Wertberichtigungen erlitten, nämlich zusammengenommen rund USD 42,8 Mrd. Die Wertberichtigungen lassen sich wie folgt aufschlüsseln:

Wie viele andere Akteure nahm die UBS im Sinne des „Originate-to-distribute“- Modells Vermögenswerte zwecks Verbriefung in eine ABS oder CDO ins „Warenlager“ und veräußerte die daraus resultierenden Wertpapiere an Investoren.

Darüber hinaus investierte die UBS auf dem Sekundärmarkt im Rahmen diverser Eigenhandelsstrategien in ABS- und CDO-Papiere und mußte da Wertberichtigungen vornehmen.

Addiert man die AAA-ABS-Devisen-Arbitragegeschäfte (engl. „Carry-Trades“, siehe Erläuterungen ganz unten oder Devisenhandel-Schweiz, Rubrik "Arbitragegeschäfte) des Bereichs Devisenhandel (engl. "Foreign Exchange" bzw. kurz FX) und  Devisenarbitragegeschäfte (engl. "Cash and Collateral Trading", kurz CCT) und alle auf DRCM zurückzuführenden Wertberichtigungen, macht dies USD 21,09 Mrd. aus – nicht ganz die Hälfte der gesamten Wertberichtigungen. 

Die Hälfte der Verluste hat die UBS also mit Devisenspekulationen erlitten.

7. Zusätzliche Wertberichtigungen

Darüberhinaus mußte die UBS jedoch nochmals Wertberichtigungen im Umfang von USD 21,7 Mrd. auf Investitionen in  auf dengleutsch CDO Super-Senior genannte Papiere vornehmen. Zu deutsch: Verluste in Kreditderivaten.

Sie sind darauf zurückzuführen, daß das "CDO Desk" (zu deutsch: die "Abteilung Kreditderivate") nicht nur Kreditderivate verbriefte und an Investoren verkaufte, sondern zusätzlich von ihm selbst verbriefte Super-Senior-Tranchen (siehe Erläuterungen ganz unten) im Sinne einer längerfristigen Investitionsstrategie, und weil sie wegen ihrer geringeren Verzinsung von Drittinvestoren nicht nachgefragt wurden, auf den eigenen (Handels-)Büchern zurückbehielt.

Diese Investitionen nahmen im ersten Halbjahr 2007 noch zu und machten vor Beginn der Krise USD 50 Mia. aus. Die von der UBS zurückbehaltenen Super Senior CDOs waren die größte einzelne Verlustquelle der Bank.

8. Keine absichtliche Schädigung

Die Untersuchung der EBK ergab keine Hinweise darauf, daß Verwalter auf Stufe der Investmentbank (IB) oder der Gruppe die Bank gezielt hätten schädigen wollen oder allein um hoher Boni willen bewusst unkalkulierbare Risiken eingegangen wären.

Ebenso wenig ergaben sich Hinweise, daß die für die Risikokontrolle zuständigen Stellen die eingegangen Risiken zwar erkannt, aber bewußt ein Auge zugedrückt hätten.

Im Gegenteil, alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die für den Aufbau der problematischen Positionen verantwortlichen Personen bis zuletzt auf die vermeintliche Robustheit der eigenen Risikoverwaltung vertraut hatten, sodaß sie sich in einem Zeitpunkt, als die Märkte bereits seitwärts und abwärts tendierten, als genügend abgesichert wähnten.

Dies gilt insbesondere für den Rückbehalt von Super-Senior-Positionen. Entsprechend war das Reporting gegenüber den vorgesetzten Stellen bis Mitte Jahr konstant optimistisch.

Es wurde auf die angeblich ausgezeichnete Risikosituation (zwei Absicherungsstrategien: NegBasis auf Ebene einzelner CDO-Tranchen; AMPS-Trades auf übergeordneter Portfolioebene), die AAA-Einstufung für Krditderivatpositionen (EBK dengl.: "Super-Senior-Positionen") und die hohe Liquidität des Marktes verwiesen.

Das Gefühl der relativen Sicherheit seitens der für diese Geschäftsstrategien verantwortlichen Personen zeigte sich darin, daß noch im 2. Quartal 2007 zusätzliche CDO-Super-Senior-Positionen aufgebaut wurden.

Zudem faßten die Verantwortlichen von IB Fixed Income ins Auge, weitere Limitenerhöhungen dafür zu beantragen.

9. Ehrgeizige Wachstumsvorgaben mit begrenztem Risikoappetit

Die UBS hatte sich zum Ziel gesetzt, die Investment Bank in Richtung Marktführerin weiterzuentwickeln und im Vergleich zu den direkten Konkurrenten besser zu positionieren. Sie hat dies in der Öffentlichkeit auch so kommuniziert.

Das führte jedoch zu Konflikten mit dem von der Gruppe vorgegebenen eingeschränkten Risikoappetit.

Zwar hatte der Verwaltungsrat der UBS der Investmentbank sehr ehrgeizige Vorgaben zur Rentabilität, zu den zu erzielenden Erträgen und (vor allem) zum Kostenmanagement sowie zur Positionierung gegenüber den direkten Konkurrenten gemacht, doch blieben sowohl die Konzernleitung wie auch der Verwaltungsrat in den Jahren 2004 bis zum Ausbruch der Krise im August 2007 bezüglich Risikoappetit eher konservativ.

Einzelne von der EBK befragte Personen haben denn auch auf den Widerspruch zwischen Wachstumsstrategie und einem eingeschränktem Risikoappetit im Bereich "High-Yield-Produkte" und "Leveraged Finance" hingewiesen.

Andere bekräftigten ihre Ansicht, die bestehenden Limiten der Bank hätten durchaus den Aufbau eines attraktiven Portfolios mit angemessenem Verhältnis zwischen Mitteln, Erträgen und Risiken erlaubt.

Entsprechend dieser vorherrschenden Ansicht waren denn auch wiederholt Anträge seitens der Investmentbank oder einzelner Einheiten auf Limitenerhöhungen sowie verschiedene Transaktionen im "Leveraged-Finance-Bereich" abgelehnt worden.

Aufgrund ihrer Erfahrungen aus vergangenen Kreditkrisen, namentlich den großen Verlusten der 90er Jahre auf gewerblichen schweizerischen Hypotheken, bevorzugte die UBS strikte verbriefte und damit leicht handelbare Kredite gegenüber illiquiden Aktiven, was sich etwa darin zeigte, daß die Bilanz der UBS vor Ausbruch der Krise gemeinhin als eine der Klassenbesten betrachtet wurde. Das äußerte sich konkret darin, daß sich die UBS gestützt darauf sowie gestützt auf ihre AA+-Einstufung (S&P) an den Kapitalmärkten günstig refinanzieren konnte.

10. Wachstumsstrategie als Katalysator

Die vom Verwaltungsrat der UBS vorgegebenen strategischen Ziele, ihre Umsetzung durch die Konzernleitung und die weitere Konkretisierung durch die Verwaltung der Investment-Bank waren ambitiös.

Sie forderten von allen Beteiligten größten Einsatz, zumal die UBS eine fortschreitende Verschlechterung der Wettbewerbsposition gegenüber den direkten Konkurrenten feststellte.

Dies galt insbesondere für das Zinsengeschäft, d.h. den Festzinspapier-Bereich (dengl. "Fixed Income"-Bereich) der Investmentbank. 

Der Druck, diese Tendenz aufzuhalten und umzukehren, schuf aber ein Klima, das verschiedene Fehlentwicklungen begünstigte, wie sie denn auch im Bericht der UBS aufgeführt sind.

• IB Fixed Income – Ausbau statt rechtzeitiger Ausstieg: Der Geschäftsbereich IB Fixed Income hatte den Auftrag – und die Ambition – gewisse der mit der Bildung von DRCM verlorengegangenen Kompetenzen wieder aufzubauen und das Geschäft global zu positionieren und die Lücke zu den Konkurrenten zu schließen. ("4 FX/CCT" gehörte früher zum Geschäftsbereich Festzinsanlagen, Währungen und Derivate ("Fixed Income, Currencies and Rates", kurz "FIRC", danach zum Geschäftsbereich Geldmärkte, Währungen und Rohstoffe ("Money Markets, Currencies and Commodities", kurz "MCC") und heute zu Devisenhandel und Geldärkte ("FX & Money Markets", kurz "FXMM"); im EBK-Bericht wird vereinfachend die Bezeichnung FX/CCT verwandt.)

2006 erzielte die Investmentbank zwar ein Rekordergebnis, an dem des Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren ("Fixed Income") wesentlich beteiligt war, doch zeigte sich, daß die Investment-Bank gemessen an den Erträgen zu hohe Kosten verursachte.

Bereits im dritten Quartal 2006 hatten einzelne Konkurrenten begonnen, ihre Verbriefungsaktivitäten zu reduzieren und ihre Präsenz (EBK: ihr "Exposure") gegenüber dem amerikanischen Häusermarkt und Konsumverhalten zurückzunehmen.

Obwohl die Verwaltung von "IB Fixed Income" Zeichen der sich verschlechternden Situation auf dem US-Häusermarkt wahrnahm, war es weiterhin von den geringen Risiken der von ihm verfolgten Geschäftsstrategien überzeugt.

Entsprechend blieb die Verwaltung von "IB Fixed Income" in seinen Verlautbarungen an die Konzernspitze noch im 2. Quartal 2007 optimistisch. Gemäß einem (dem "IB Management Committee" nicht unterbreiteten) „White Paper“ von "IB Fixed Income" von Ende Mai 2007 erwarteten die Verantwortlichen weiterhin ein großes Wachstum des Verbriefungsgeschäfts, was gemäß dem Papier erhebliche Erweiterungen ihrer VaRLimiten erforderlich machte und auf eine große Beanspruchung der Bilanz hinwies.

Im Ergebnis kam es bei der Investment Bank im ersten Halbjahr 2007 zu keiner Reduktion der Aktivitäten im US-Hypothekargeschäft (EBK dengl. im „Subprime-Bereich“.

Im Gegenteil: Noch im 1. und 2. Quartal 2007 baute "IB Fixed Income" die zurückbehaltenen Kreditderivatpositionen (EBK denglisch: die "Super-Senior-Positionen" mit AAA-Einstufung weiter auf.

• Vermeintliche Sicherheit des Rückbehalts von unregulierten Kredtiderivat-Tranchen (CDO-Tranchen): Das Kreditderivat-Verbriefungsgeschäft – zumindest gegen Ende der Blase – funktionierte nur insofern, als Aktöre wie die UBS – oder Merrill Lynch oder Citigroup – bereit und in der Lage waren, die wegen der niedrigen Verzinsung „unattraktiven“ Super- Senior-Tranchen einzelner Verbriefungstransaktionen auf den eigenen (Handels-)Büchern zu halten.

Diese „Fähigkeit“ von Verbriefern zum Rückbehalt der (vermeintlich) sicheren, aber ertragsmäßig unattraktiven Positionen wurde von "IB Fixed Income" als integraler und das Geschäft weiter antreibender Bestandteil einer erfolgreichen "CDO"-Verbriefungstätigkeit gesehen, und nicht als Hinweis, daß der Markt möglicherweise eng werden könnte.

• Bessere Risikoabsicherung: Mit Blick auf eine einzelne "CDO"-Verbriefung wurde seitens der für diese Geschäftsstrategien Verantwortlichen auch angeführt, daß sich mit dem Entscheid zur Durchführung einer Verbriefungstransaktion – und damit verbunden zum Rückbehalt der "Super-Senior-Tranche eines CDOs" – die Risikosituation der UBS verbesserte, da ab diesem Zeitpunkt nach Möglichkeit ein Absicherungsgeschäft abgeschlossen wurde, während die ABS oder andern Vermögenswerte, solange sie im Warenlager eingebucht waren, nicht mittels „Hedging“ abgesichert worden waren.

• IB FX/CCT – keine rechtzeitige Risikominderung: Der Bereich FX/CCT4 war für die Verwaltung der Gruppenliquidität verantwortlich. "FX/CCT" funktionierte als Profitcenter. Überschüssige Liquidität investierte "FX/CCT" in ein „Relative Value Trading Portfolio“, das auch das "ABS Trading Portfolio" beinhaltet.

Der Wert der ABS-Positionen basierte auf Forderungen gegenüber US-Schuldnern aus den Bereichen Autofinanzierung, "Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS)", "Commercial Mortgage Obligations (CMO)", Kreditkarten, „Equipment Leasing“, „Home Equity / RMBS und „Student Loans“.

Es machte per Juni 2007 USD 30 Mrd. aus (Dezember 2006: USD 29 Mrd.). Diese Investitionen waren u.a. auch getätigt worden, um in diesem Profitcenter negative Erträge für das zur Verfügung Halten von Liquidität für die Gruppe zu vermeiden.

• DRCM – mißglückte Strategie: Verschiedene der von der EBK befragten Personen werteten die von der Konzernleitung abgesegnete und vom Verwaltungsrat gebilligte Schaffung von Dillon Read Capital Management („DRCM“) – einer Plattform, die es wohlhabenden Kunden ermöglichen sollte, mit ihrem eigenen Vermögen direkt an einem Anlagevehikel mit erhöhtem Risikoprofil zu partizipieren – im Nachhinein als strategischen Fehler. Dadurch wurden gegenüber der Investmentbank falsche Zeichen gesetzt, unter anderem indem bei den Mitarbeitern der Investment-Bank der Eindruck entstand, die Bank sei den Promotoren von DRCM zu weit entgegen gekommen.

Weiter war die Schaffung von DRCM unter zu großem Zeitdruck geplant und unzureichend umgesetzt worden. Nach dem Entscheid, DRCM zu schließen, war die Investmentbankverwaltung und die Verwaltung auf Stufe der Gruppe durch die Reintegration der Positionen und der Organisation von DRCM absorbiert. In der kritischen Zeit, in der noch Maßnahmen zur Reduktion der Investitionens in Positionen mit Bezug zum Kreditderivatmarkt möglich gewesen wären, verpaßten es die Verantwortlichen, sich auf im Nachhinein wichtigere Aspekte der Führung der Bank zu konzentrieren. Im Rückblick drängt sich der Schluß auf, DRCM habe die Aufmerksamkeit der obersten Verwaltung von anderen zentralen Aufgaben abgelenkt.

• Auf DRCM zurückzuführende Wertberichtigungen: Von den Wertberichtigungen der UBS von total USD 42.8 Mrd. per 30. Juni 2008 sind rund 22% auf Geschäftsstrategien von DRCM zurückzuführen. Zwar waren sich die Geschäftsstrategien der Investmentbank und von DRCM in vielem ähnlich, gleichwohl unterschieden sie sich in wesentlichen Teilen.

So investierte die Investment Bank beispielsweise kaum in die als im Vergleich zu Super-Senior-Papieren mit größeren Risiken behafteten „Net Interest Margin Securities“ (NIMS). Anderseits hatte DRCM keine massiven „Carry Trades“ mit Super-Senior-Papieren getätigt, die bei der Investment Bank den grössten Verlustposten ausmachen (vgl. unten Textbox 3).

11. Keine harten Limiten für Bilanzwachstum

Seit ihrem Bestehen verstand die UBS die Bilanz nicht als Größe zur Steuerung des Risikoappetits.

Zur Risikosteuerung waren andere Instrumente gedacht. Schon 2005 wurde dem kontinuierlichen und raschen Bilanzwachstum die Aufmerksamkeit der oberen Verwaltung zuteil und gab es Diskussionen um eine Beschränkung mittels Limiten.

Solche wurden indessen erst Mitte 2007 eingeführt, da die Konzernleitung die Bilanz zunächst mit anderen Mitteln reduzieren wollte und die Investment Bank anfänglich vor allem auf das im Januar 2007 eingeführte Asset & Liability Committee (ALCO) setzte.

Die fehlende Aufmerksamkeit für die mit dem Bilanzwachstum verbundenen versteckten Risiken und ein zu unkritisches Vertrauen in die bestehenden Mechanismen zur Risikoerfassung erscheinen im Rückblick als schwerwiegendes Versäumnis.

12. (Zu) günstige interne Refinanzierungsbedingungen und fehlende Makrosteuerung über die Bilanz:

• Historisch bedingt hatte UBS bis im Sommer 2007 allen Geschäftsbereichen, einschließlich der Bereiche mit Aktivitäten im Eigenhandel, dieselben (verglichen mit Konkurrenten günstigen) Finanzierungskonditionen gewährt. Es bestand kein internes differenziertes Preisfestsetzungsmodell, das – allenfalls in Verbindung mit Bilanzlimiten – einen genügend starken Anreiz zur Überprüfung der Geschäftsstrategien der einzelnen Bereiche anhand des Risiko/ Rendite-Profils gesetzt hätte. Ebenfalls bestand bei der Verwendung der Refinanzierungsmittel keine Verpflichtung, auf die Fristenkongruenz zwischen Anlagen und Refinanzierung zu achten.

• Die „neutrale“ Ausgestaltung des Preisfestsetzungsmodells war Ausdruck des erklärten Willens der UBS, der Investment Bank bei ihrer Wachstumsstrategie eine Art „Anschubfinanzierung“ zu gewähren. Das Modell konnte neutral ausgestaltet sein, weil die Überzeugung vorherrschte, mittels der implementierten Risikoverwaltung und -kontrollprozesse über genügend sensitive Stellhebel zu verfügen.

Das interne Preisfestsetzungsmodell, das seit 2004 im Wesentlichen unverändert geblieben war, wurde während der untersuchten Zeitperiode mehrfach thematisiert: Erst als das Group Risk Subcommitte (GRSC) im März 2007 einen Antrag auf Einführung harter Bilanzlimiten vorderhand ablehnte, erhielt der Group Treasurer vom GRSC den Auftrag, die Arbeiten für die Einführung eines differenzierteren Preisfestsetzungsmodells für den Mittelbedarf der Geschäftseinheiten voranzutreiben, was im Verlauf des 2. und 3. Quartals 2007 in der Einführung des sogenannten „Haircut Funding Model“ mündete.

• Die neutrale Ausgestaltung der Refinanzierung der Investment Bank, zusammen mit fehlenden harten Limiten für die Bilanzbenützung durch einzelne Geschäftsbereiche oder Geschäftsstrategien führten im Ergebnis dazu, daß vorab die Manager von "IB Fixed Income" sich das AA+-Rating der Marke „UBS“ dienstbar machen und auf dem Geldmarkt über das Stammhaus auf günstige Art und Weise Mittel in enormem Ausmaß beschaffen konnten.

Die auf diese Weise beschafften Mittel flossen auch in "CDO Super-Senior"-Positionen mit AAA-Rating. Im Ergebnis betrieb das CDO Desk damit eine Strategie von diversen großen „Carry Trades“.

• Eine wirksame (Makro)-Steuerung des Risikos über die Bilanz fehlte weitgehend. Parametern wie Fristenkongruenz zwischen Anlagen und deren Refinanzierung wurde zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Dies führte im Ergebnis dazu, daß Markt- und Kreditrisiken auf Stufe Produkte und Portfolios sowie die Kontrollprozesse der beim Bereich „Finance“ angesiedelten Geschäftseinheitenkontrolle (der „Business Unit Control“ (BUC))  nicht durch Makrogrößen wie „Bilanzsumme“, Bilanzlimitenzuteilung und / oder interne Preisaufschläge ergänzend kontrolliert wurden.

13. Einzelne Unzulänglichkeiten im Aufbau von Prozessen und Systemen und unzureichende Disziplin in ihrer Anwendung

• Nach den Erkenntnissen der EBK sind die Wertberichtigungen nicht auf offensichtliche Fehler bei der Ausgestaltung der Führungs- und Risikovrwaltungsprozesse zurückzuführen, obwohl die UBS bereits vor Ausbruch der Krise Handlungs- und Investitionsbedarf erkannt hatte.

Soweit Positionen nicht abgesichert waren, handelte es sich größtenteils um Lagerbestände im „Verbriefungs- Warenlager“, die für eine Verbriefungstransaktion vorgesehen waren („ramping“) oder die nach einer Verbriefung an Kunden vertrieben werden sollten, oder aber um rückbehaltene Super-Senior-Papiere, für die noch kein direktes Absicherungsgeschäft hatte abgeschlossen werden können.

• Unzulängliche Infrastruktur – zu träge Reaktion: Die UBS hatte zwar schon frühzeitig erkannt, daß die Infrastruktur der Investment Bank (vorab: IT-Systeme) nur bedingt in der Lage war, mit dem Geschäftsvolumen und den laufenden Weiterentwicklungen bei den Finanzprodukten Schritt zu halten. Die Bank verfehlte es aber, rasche und entschiedene Schritte zur Behebung dieser Mängel zu ergreifen. Diese Unterlassung war zwar nicht kausal für die notwendig gewordenen Wertberichtigungen, hat aber eine effiziente Risikoverwaltung und eine wirksame Risikokontrolle erschwert.

• Inkonsequente Anwendung von Prozessen: Eine gewichtige Schwäche gab es allerdings bei einzelnen Verbriefungen von CDOs, die zwar einzelfallweise, jedoch jeweils zu einem sehr späten Zeitpunkt im Rahmen eines „Transaction Requiring Pre Approval“-Prozesses (TRPA) genehmigt wurden.

Auch AMPSTransaktionen wurden zwar einzelfallweise mittels TRPA-Prozessen genehmigt, doch wäre angesichts des Volumens ein „New Business Initiative“- Genehmigungsprozeß (NBI) erforderlich gewesen.

Ein solcher war erst seit Mitte 2007 in Vorbereitung, wurde dann aber in Anbetracht der Marktereignisse nicht eingereicht.

Ein rechtzeitiger NBI hätte wohl die Einführung von Nominallimiten für dieses Geschäft zur Folge gehabt, was die Risiken begrenzt hätte. Zudem fanden die TRPA-Prozesse für AMPS-Transaktionen erst statt, als die "Super-Senior"-Papiere schon erworben oder als zurückbehalten umgebucht waren, was auch eine Art von „fait accompli“ darstellt.

• Fehleinschätzungen bei der Risikoerfassung: Eine der Hauptursachen für die Wertberichtigungen lag darin, daß diejenigen Personen, die die betroffenen Handelspositionen eingingen ("front office"), bewerteten und kontrollierten (Kontrollorgane), deren inhärente Risiken unzutreffend einschätzten. Die Risikoerfassung etwa bei "CDO Super-Senior"-Positionen legte (zu) großes Gewicht auf die Feststellung, daß ein mit AAA bewertetes Papier vorlag.

Diese Information wurde in den Risikomeßsystemen eingegeben. Entsprechend generierten abgesicherte Super-Senior-Positionen bis zum Ausbruch der Krise praktisch null Value-at-Risk (VaR).

Die VaR-neutrale Betrachtungsweise führte auch dazu, daß diese Positionen in den zentralen Risikoreports nicht erfaßt wurden und damit vom Radarschirm verschwanden.

Eine Limitierung der Nominalvolumina, welche dieser Schwachstelle entgegengewirkt hätte, fehlte für die meisten Geschäftsbereiche.

14. Überschätzte Bedeutung eines AAA-Ratings für ABS und CDO-Papiere

• Keinen Eingang in die Bewertung der Risikosituation der Bank fand vor August 2007 die Erkenntnis, daß ein AAA-Rating einer CDO-Tranche nicht mit dem AAA-Rating anderer Wertschriften wie Unternehmens- oder gar Staatsanleihen gleichgesetzt werden darf, da es bei ungünstigen Märkten plötzlich sehr schnell gehen kann, bis die unterliegenden Tranchen der Kapitalstruktur aufgebraucht sind.

"Group Internal Audit (GIA)" hatte im "Group Risk Subcommittee (GRSC)" anläßlich einer Analyse der von DRCM erlittenen Verluste diesen Aspekt unter vielen anderen erwähnt, doch haben sich im Zuge der Untersuchung der EBK und der UBS keine Hinweise ergeben, wonach dies direkt und unmittelbar aufgenommen worden wäre.

Als Resultat dieser Sitzung hat das GRSC eine vertiefte Analyse der Positionen der Investment-Bank in Auftrag gegeben, um festzustellen, ob die Investment Bank ähnlichen Risiken wie DRCM ausgesetzt gewesen sei.

Die Resultate dieser „Deep Dive“-Analysen lagen aber erst nach Ausbruch der Krise vor. Anzufügen ist, dass die Ratingagenturen ihrerseits der anders gearteten Ausfallsensitivität von CDOs bei der Vergabe ihrer Einstufungen ("ratings") ebenfalls nicht Rechnung trugen.

Andere wichtige Risikoinformationen, welche sich aus der Art und der Qualität der diesen Strukturen zugrundeliegenden Kredite (z.B. Jahrgänge („vintages“) der Hypothekarforderungen) ergaben, wurden für die Zwecke der Risikoverwaltung nur ungenügend erfaßt.

• Kettenreaktion: Aus einer prozeßorientierten Sicht heißt dies, daß die Risikoerfassung auf Produktebene nicht analytisch genug vorgenommen wurde – weder durch die Frontmitarbeiter noch durch die Kontrollfunktionen.

Weder wurden die mit diesen Produkten verbundenen wesentlichen Informationen zur Risikobeurteilung detailliert erfaßt, noch wurde die Sensitivität der Papiere mit AAA-Einstufung in adäquater Weise relativiert. Diese Fehler wurden in der Folge in keinem der nachfolgenden Teilschritte des Risikoverwaltungs- und Risikokontrollprozesses entdeckt.

Dies führte dazu, daß sämtliche nachgelagerten Instrumente mit zu optimistischen Annahmen arbeiteten (VaR-Modelle, Streßtests, Risikoberichte etc.) und der obersten Verwaltung der Investment-Bank und der Gruppe unzureichende Grundlagen für ihre Entscheide lieferten.

• Unübersichtlichkeit: Dazu kommt, daß Subprime-Positionen nicht auf übersichtliche Art und Weise in aggregierter und kompletter Form sichtbar gemacht wurden. So verfügte die oberste Verwaltung der UBS vor Ausbruch der Krise nur über Informationen auf Nettobasis, das heißt, soweit Positionen abgesichert („gehedged“) waren, waren sie für die oberste Verwaltung unsichtbar; dies auch bei AMPS-Händeln ("AMPS trades"), die nur einen „first-loss“ Schutz von 2-4% boten.

• Ungenügendes System zur Risikoerfassung: Zusammenfassend muß das System zur Risikoerfassung im Rückblick als ungenügend beurteilt werden. Es produzierte zwar eine Vielzahl von Informationen, aber nicht die zur Früherkennung der Gefahr wesentlichen.

15. Versagen der Risikomessungs- und Risikosteuerungssysteme

• Im Bereich der Marktrisikokontrolle verließ sich UBS vorwiegend auf VaR-Modelle (Stufe Produkte und einzelne Portfolios) und Streßtests (Gesamtsteuerung), da die gehaltenen Positionen alle im Handelsbuch geführt wurden (vgl. unten Rz. 17).

Die enormen Wertberichtigungen, welche die UBS in den vergangenen 12 Monaten vornehmen mußte, sind nicht durch einen einzelnen Faktor zu erklären.

Vielmehr muß dazu eine ganze Kette von im Nachhinein unglücklichen Strategieentscheiden, mangelndem Nachhaken, fehlender Skepsis gegenüber den bankeigenen Prozessen und Systemen herangezogen werden, die sowohl an der Front als auch seitens der Kontrollfunktionen aufgetreten sind.

• Geringe Eigenmittelerfordernisse nach VaR und Nettobetrachtung der Risiken: Die im Zentrum dieser Untersuchung stehenden Positionen erforderten aufgrund ihres ausgezeichneten Ratings aus Sicht des bankinternen VaR-Modells entsprechend der internationalen Praxis nur wenig regulatorische Eigenmittel.

Weil zudem in der Risikoverwaltung nur Nettopositionen erfaßt wurden (d.h. vermeintlich vollständig abgesicherte Investitionen waren in den Risikoberichten nicht ausgewiesen), war es der übergeordneten Front- und Kontrollverwaltung praktisch verunmöglicht, das Ausmaß der eingegangenen Risiken zu erkennen.

Dies änderte sich erst, als die Krise bereits ausgebrochen war und erkannt wurde, daß die bisherige Sicht die wahren Risiken nicht wiedergab.

• Zu optimistische Streßszenarien: Hauptführungsinstrument der Konzernleitung betreffend Risiken waren Streßtests. Die Untersuchung zeigte, daß rückblickend beurteilt die von UBS verwendeten Streßszenarien zu optimistisch ausgelegt waren.

Im Rückblick haben sich die damaligen Organe der Bank zu wenig intensiv mit den von der UBS verwendeten Stressszenarien auseinandergesetzt. Die Heftigkeit und Dauer der ab Mitte 2007 aufgetretenen Marktverwerfungen kam überraschend.

Aggressivere Parameter in den Risikomeßmodellen, die solche Ausschläge angezeigt hätten, waren in den Streßsimulationen als unrealistisch nicht berücksichtigt worden. Der reale Streß erwies sich als ungleich stärker als der aufgrund von historischen Zahlenreihen erwartete.

16. Unbeschränkte Handelsbuchfähigkeit, unrealistische Exit-Strategien und zentrale Bedeutung von Konzentrationsrisiken

Im Rahmen des Risikomanagements und der Risikokontrolle blieb in nicht nachvollziehbarer Weise unberücksichtigt, daß sich Handelbarkeit, Liquidität und damit die Risikoeigenschaften einzelner Produkte sehr schnell verändern können.

Beispiel dafür ist der für das tägliche Liquiditätsverwaltung zuständige Bereich IB FX/CCT, der überschüssige Liquidität in vermeintlich hochliquide ABS mit AAA-Rating investierte.

Die diesen ABS unterliegenden Forderungen stammten aus diversen Sektoren wie privaten oder gewerblichen Hypotheken, teilweise auch Zweithypotheken, Autofinanzierungen, Studentendarlehen, Kreditkartenansprüchen etc. Als die Krise ausbrach, zeigte sich, daß die von den Kontrollverantwortlichen akzeptierte Annahme der Front, sie sei uneingeschränkt in der Lage, die eingegangenen Positionen innerhalb eines Monats zu einem akzeptablen Preis zu liquidieren, unrealistisch war.

Entsprechend musste die UBS auf ihrer Liquiditätsreserve Wertberichtigungen von USD 1.99 Mrd. vornehmen. Gleiches gilt aber auch für die enormen Bestände an zurückbehaltenen oder zugekauften Super- Senior-Positionen im Handelsbuch.

Auch die Verantwortlichen des CDO Desks gaben sich bezüglich der von ihnen gehaltenen Super-Senior-Papiere im Nominalwert von zuletzt gegen USD 50 Mrd. überzeugt, diese im Bedarf innert kurzer Frist über den Markt werthaltig veräußern oder aber zusätzliche Sicherheiten (Hedges) kaufen zu können.

Im Ergebnis hat die Bank wesentliche Konzentrationsrisiken nicht erkannt. Eine der wichtigsten Lehren aus der Krise ist es, Konzentrationen von Risiken aller Art konsequent zu erfassen und zu vermeiden.

17. Unzulängliche Handhabung der Makro-Risiken

Trotz verschiedener Vorzeichen erkannte die UBS – wie andere Aktöre – nicht, daß sie aufgrund der schieren Größe ihres Gesamtinvestitionen in ABS- und CDO-Papieren, die einen Bezug zum US-Häusermarkt oder zum Konsumverhalten der amerikanischen Bevölkerung überhaupt aufwiesen, einem eigenständigen makro-ökonomischen Risikofaktor ausgesetzt war.

Per August 2007 belief sich das Gesamtinvestitionsvolumen der UBS im US-Hypothekenmarkt auf CHF 173.8 Mrd. steigend („long“) und CHF 66.1 Mrd. sinkend („short“).

18. Unzulängliche Prüfung des Gegenparteirisikos bei Monoline-Versicherern

Die UBS stellte bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit von Monoline-Versicherern in „Negative Basis Trades“ in erster Linie auf das intern ermittelte Rating dieser Gesellschaften ab. Es erfolgte keine umfassende Risikoanalyse, welche auch Konzentrationsrisiken adäquat erfaßte

Umstand, daß mit einer Verschlechterung der von Monolines versicherten CDOs auch das Ausfallrisiko der Versicherungsgesellschaft steigt (sog. „wrong-way“-Risiken), wurde ebenfalls außer acht gelassen. Diese Faktoren führten zu einer massiven Unterschätzung des Gegenpartei-Kreditrisikos von Monoline- Gesellschaften.

19. Rollenverständnis der Kontrollöre:

Die bankinternen Kontrolleure waren und sind mit dem tagtäglichen Druck der Front auf rasche und für das Geschäft positive Entscheide und mit deren Frustration bei negativen Entscheiden oder verzögerten Prozeduren konfrontiert.

Die Kontrollöre neigten deshalb tendenziell dazu, die von der Front als mühsam, zeitaufwendig und mithin geschäftsverhindernd wahrgenommenen Risikokontroll- und Bewertungsprozesse möglichst zügig und schlank zu handhaben.

Dies mag zumindest teilweise zu Lasten einer griffigeren Erfassung, Begrenzung und Überwachung der eingegangenen Risiken bzw. gründlicher und sorgfältiger Bewertungen („valuation“) gegangen sein.

20. "Group Internal Audit"

Die interne Revision, Group Internal Audit (GIA), hat bis zum Ausbruch der Krise in keiner ihrer zahlreichen Untersuchungen bei der Investment Bank auf die mit den US-Hypothekarkredit-Papieren verbundenen Risiken hingewiesen.

GIA hat aber wiederholt auf Defizite in der Infrastruktur der Investment Bank und bei der Handhabung der NBI- und TRPA-Prozesse aufmerksam gemacht.

21. Nicht aufgenommene zur Vorsicht mahnende Signale der hauseigenen Analysten

Die vom Tagesgeschäft funktional abgetrennte "IB Fixed Income Research Group" veröffentlichte Analysen zum Marktgeschehen im Subprime-Bereich in drei periodisch erscheinenden Produkten mit den Titeln „Mortgage Strategist“, „CDO Insight“ und „CDO Performance Reports“.

Darin wurde kontinuierlich über für die Risikoverwaltung relevante Themen wie Marktbeobachtungen, Relevanz bestimmter Informationen etc. orientiert.

Darüberhinaus kam es auch zu Präsentationen gegenüber Investoren, so etwa eine telefonische mit dem Titel „How Bad is 2006 Subprime Collateral?“.

Insbesondere ab 2007 war eines der übergeordneten Themen für die „Fixed Income Research Group“ die Frage, mit welchen Modellen sich Subprime- Wertschriften adäquat bewerten lassen oder für ABX-Indizes der richtige Preis gefunden werden kann.

Den Veröffentlichungen der "Research Group" konnte eine Vielzahl von Informationen entnommen werden, die auf eine zunehmende Verdunkelung der Aussichten im US-Hypothekrediet-Markt schließen ließen.

Allerdings hatten auch die Analysten der UBS vor Ausbruch der Krise nicht erwartet, daß Wertpapiere mit AAA-Einstufung ("rating") aufgrund der sich verändernden Marktbedingungen leiden würden und daher auch nicht davor gewarnt.

22. Unglückliche Verkettung von Umständen

Auch wenn „Pech“ als Erklärungsansatz suspekt erscheint, ist zumindest als zusätzliches Element das unglückliche zeitliche Zusammentreffen verschiedener Faktoren zu nennen.

Indem mit dem Entscheid, DRCM zu schaffen, ein zwar kontroverser, aber doch vertretbarer strategischer Schritt gemacht wurde, wurde die Investmentbank geschwächt, die Stimmung getrübt, ergaben sich Engpässe bei der Besetzung von Schlüsselstellen und wurden Verwaltungskapazitäten gebunden.

Dies galt insbesondere auch für die Zeit der Reintegration von DRCM. Dieser an sich gut gemeisterte Kraftakt beanspruchte die Investment Bank und die Konzernleitung außerordentlich, so dass andere Aspekte nicht die Beachtung fanden, die sie verdient hätten.

23. Sorgfältige Analyse der Ursachen durch UBS

Die EBK teilt die Analyse der Bank betreffend die wahrgenommenen Schwächen. Im Rückblick ist der Befund eindeutig: die Bank erfasste, begrenzte und überwachte ihre Hypothekarkredit-Risiken klar unzulänglich. In unterschiedlichem Ausmaß trifft diese Feststellung die Gesamtheit der Führungs-, Geschäfts- und Kontrollprozesse.

Allerdings ist festzuhalten, daß nicht jede der aufgeführten Schwächen für sich allein genommen Ausdruck einer unzureichenden Organisation oder von schlechter Verwaltung oder mangelhafter Führung ist – wesentlich war vielmehr das im Ergebnis ungenügende Zusammenspiel.

24. Enge Begleitung der Umsetzung des Maßnahmenplans der UBS durch die EBK

Die von der Bank am 12. August 2008 im Bericht an ihre Aktionäre vorgestellten Maßnahmen sind zu begrüßen und sind nach Ansicht der EBK sachgerecht. Die EBK wird ihre Umsetzung allerdings sehr eng begleiten.

Da die Umsetzung einige Zeit in Anspruch nehmen wird, kann deren Wirkung noch nicht zuverlässig abgeschätzt werden.

Die EBK wird deshalb die Umsetzung des „Remediation Plan“ und die erzielten Fortschritte laufend analysieren und gegebenenfalls die nötigen Schritte anordnen. 25. Verletzung des Gewährserfordernisses durch die Bank:

Nicht jede der angeführten Schwächen ist für sich allein Ausdruck einer ungenügenden Organisation oder von schlechter Verwaltung. Auch ist die wiederholt diskutierte aber auch wiederholt verworfene Einführung von Bilanzlimiten aufsichtsrechtlich nicht zu beanstanden und geschäftspolitisch vertretbar.

Mit dem Vorteil des Rückblicks bleibt dennoch das Fazit:

Die UBS hat die mit den Super-Senior-Papieren – und anderen ABS-Papieren im Warenlager und auf den Handelsbüchern – einhergehenden Risiken weder richtig erfaßt, noch angemessen begrenzt und überwacht. Diese Unterlassung ist schwerwiegend und muß insgesamt als Verletzung des bankengesetzlichen Erfordernisses einer einwandfreien Geschäftstätigkeit gewertet werden.

Die Untersuchung der EBK hat jedoch nichts zu Tage gebracht, das darauf schließen würde, daß die aktuellen Organe der Bank keine Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit bieten. 26. Verantwortung der Bank:

Trotz der in ihrem konkreten Ausmaß und Geschwindigkeit von niemandem vorauszusehenden Krise bleiben die obersten Bankorgane für die festgestellten Unzulänglichkeiten insgesamt verantwortlich.

Seit Ausbruch der Krise hat die Bank sowohl bei der Investmentbank wie auch auf Stufe der Gruppe bedeutende personelle Veränderungen vorgenommen.

Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen veranlassen die EBK nicht, aktuelle „Gewährsträger“ der UBS für fachlich oder charakterlich ungeeignet im Sinne des bankengesetzlichen „Gewährsartikels“ zu betrachten und gegen sie Maßnahmen einzuleiten.

Irritierend wirken jedoch die teils hohen Abgangsentschädigungen in bar an ausgeschiedene Verantwortliche der Investmentbank, auch wenn sie klar vertraglich vereinbart und deshalb auch geschuldet waren.

Klarerweise kein Raum besteht nach Ansicht der EBK jedoch für Abfindungen durch die UBS, welche diese nicht eindeutig aufgrund eines Anstellungsvertrags schuldet.

Erläuterungen

Devisenarbitragegeschäfte

Arbitragegeschäfte, engl. „Carry Trades“ sind am geläufigsten als Anlagestrategie im Bereich des Devisenhandels, als sogenannte Devisenarbitragegeschäfte („Currency Carry Trades“.)

In einem solchen Geschäft nimmt ein Investor in einer Währung mit vergleichsweise niedriger Verzinsung einen Kredit auf, um das aufgenommene Geld in einer Währung mit höherer Verzinsung anzulegen. Der Ertrag des Investors besteht dabei einerseits aus der Differenz zwischen der Verzinsung und andererseits aus möglichen Wechselkursschwankungen.

Der Investor ist also einem Wechselkurs- und einem Zinsänderungsrisiko ausgesetzt. Um die beiden Risiken zu reduzieren, können Zinsschwankungen über festverzinsliche Geschäfte eliminiert und das Wechselkursrisiko über Terminmarktgeschäfte reduziert werden.

Diese Absicherungen reduzieren jedoch die erwartete Rendite. Neben der Anlage in höher verzinste Devisen können auch Anlagen in Metalle oder andere Rohwaren und in Obligationen getätigt und damit Arbitrage-Strategien (dengl. "carry trade"-Strategien) verfolgt werden.

Der Rückbehalt von "Super-Senior"-Papieren aus von der Investment-Bank der UBS verbrieften CDOs sowie der Zukauf von "Super-Senior"-Papieren anderer Anbieter funktionierte als eine Art Arbitragegeschäft (engl. "carry trade"): Die Grundidee bestand darin, die mit einer hohen Einstufung (engl. "rating") versehenen, aber relativ unattraktiv verzinsten "Super-Senior"-Papiere aufgrund der sehr günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten von UBS zu erstehen, das vermeintlich minime Restrisiko mit Absicherungsgeschäften zu belegen (Originalbericht EBK: "mittels Hedge abzusichern" , zu deutsch, durch Absicherung abzusichern) und den Ertrag sofort zu verbuchen.

Damit sich solche Strategien ertragsmäßig auszahlten, mußten relativ hohe Nominalvolumina eingesetzt werden, da die Rendite an sich gering war.

Super-Senior-Papiere von CDOs

CDOs sind eine Art von Kreditderivaten. Mit „Super-Senior“ wird die oberste Tranche der Kapitalstruktur einer Collateral Debt Obligation (CDO) bezeichnet (zweite Verbriefungsstufe nach den ABS). Super-Senior- CDO-Tranchen verfügten über ein Rating von AAA und sind bei einem Ausfall höher eingestuft als andere AAA-Tranchen derselben Emission. Da sie als praktisch risikolos galten, warfen sie nur sehr geringe Zinserträge ab.

«Wertberichtigungen der UBS aufgrund der „Subprime“-Krise»

Diese Wendung bedeutet stark vereinfachend Wertberichtigungen, welche die UBS auf Papieren von (U.S.) Asset Backed Securities (ABS) oder (U.S.) Collateralizied Debt Obligations (CDO) machen mußte, denen zumeist minderwertige („subprime“) Hypothekarforderungen zugrunde lagen. Ein Grossteil der Papiere, auf denen die UBS Wertberichtigungen vornehmen mußte, steht in direktem Zusammenhang mit dem US-Subprime-Hypotheken-Markt. Es gab aber auch andere Ursachen von Wertberichtigungen.

So waren solche Papiere teilweise auch mit Forderungen gegenüber mittel- oder erstklassigen Hypothekarschuldnern („Alt-A“ oder „prime“ Hypotheken) oder aber mit Forderungen gegen US-Konsumenten schlechthin (Studentendarlehen, Autofinanzierungen, Kreditkartenforderungen etc.) unterlegt. Das mit „Subprime-Krise“ betitelte Phänomen begann zwar tatsächlich im Subprime- Segment, erfaßte aber nach und nach den gesamten US-Häusermarkt sowie andere Schuldpapiere, die auf Kreditforderungen gegenüber amerikanischen Schuldnern basieren (Auto- und Flugzeugfinanzierungen, „equipment leasing“, Kreditkartenforderungen, „student loans“ etc.).

Nur wo eine Unterscheidung zwischen „Subprime“- und anderen Schuldpapieren bzw. Schuldverhältnissen und Risiken zum Verständnis der Vorgänge unerläßlich ist, wird dies in diesem Bericht präzisiert.

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21.07.2018, 21:32
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